Juli 26, 2019

Kündigung

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Ich kann mich noch genau erinnern. Es war der 24. April 2018. Rückblickend sicherlich der mit Abstand – sorry für die Ausdrucksweise – beschissenste Tag des letzten Jahres für mich. Natürlich gibt es auch andere Adjektive, aber dieses trifft es einfach am besten.

Was war passiert? Nachdem ich eineinhalb Jahre in einer Festanstellung mit unbefristetem Arbeitsvertrag gearbeitet hatte, bin ich an diesem Tag fristlos gekündigt worden. Einfach so.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich als Vertriebsmitarbeiter überdurchschnittlich verkauft und pflegte ein sehr enges und gutes Verhältnis zu meinen Kollegen. Allein mit den Personen im Management bin ich nie richtig warm geworden. Mit der Zeit wurde der Ton im Unternehmen immer schärfer und das Klima immer unterkühlter. Als dann auch noch neue Arbeitsverträge inkl. Provisionskürzungen unterschrieben werden mussten (Do or Die), war die Stimmung endgültig im Keller.

Vertrieb im Büro

Viele zogen selbst die Konsequenzen und gingen von sich aus. Mir wurde hingegen, nach dem Ende eines langen Arbeitstages, die fristlose Kündigung im persönlichen Gespräch überreicht. Das Ende war gekommen.

Der dafür gewählte Vorwand wurde später vom Richter beim Arbeitsgericht übrigens nur müde belächelt und mit Kopfschütteln vernommen. Das Ergebnis: Ich bekam eine nette Abfindung und drei Monate Gehalt für die Kündigungsfrist ausgezahlt. Ein moralischer Sieg. Nicht mehr und nicht weniger.

Denn die Konsequenzen dieses Vorfalls haben mich auch Monate später noch intensiv beschäftigt und mich selbst die Frage stellen lassen, wie abhängig ich als Angestellter von mir nicht zu kontrollierenden Faktoren bin.

Wieder alles auf Anfang? Mund abputzen, weitermachen?

Klar, es muss weitergehen. Geht es ja immer. Aber in welcher Form?

Der Wandel meiner Einstellung zum Thema Geld und dem Investieren

Nach dreieinhalb Jahren Studienzeit, hatte ich im April 2013 meinen Bachelorabschluss als Angewandter Medienwissenschaftler in der Tasche. Alle Türen standen mir offen. Also ging ich zunächst nach Italien, wo ich für neun Monate bei einer italienischen Gastfamilie unterkam und La Dolce Vita genießen konnte. In einem Halbtagsjob übersetzte ich diverse Blogbeiträge für eine Tourismusagentur auf Deutsch und Englisch. Die Bezahlung war ok. Zumindest reichte es aus, um meinen Gastgebern die durch mich entstehenden Kosten zu bezahlen.

Ich glaube wer kein großes Einkommen und Vermögen besitzt, der macht sich automatisch auch weniger Gedanken um dieses Thema. An das große Geld verdienen und reich werden habe ich damals auf jeden Fall als allerletztes gedacht. Noch heute frage ich mich manchmal, ob das Gefühl des Glücks und der Unbeschwertheit dieser Zeit daher kam, dass die Bedeutung des Geldes noch nicht diesen zentralen Faktor in meinem Leben gespielt hat.

Anschließend ging es nach England, wo ich für ca. zwei Jahre im Geschäftskundenvertrieb (B2B) bei einem Londoner Verlagshaus gearbeitet habe. Falls sich jemand wundert, es war nie meine Absicht im Verkauf zu arbeiten. Ich bin eher zufällig in diese Position hineingerutscht, fand mit zunehmender Zeit jedoch immer mehr Gefallen daran. Der Wettbewerbscharakter kam in mir durch und ich hatte außerdem eine sehr starke Affinität für Printpublikationen. Dass ich am Anfang sehr häufig gescheitert und abgewiesen worden bin, hat mich anfangs zwar frustriert, doch der Lerneffekt und die späteren Erfolge waren es mehr als wert.

London

Mit dem ersten richtig verdienten Geld stellte sich nun die Frage, was ich damit machen sollte. Ich trackte meine monatlichen Ein- und Ausgaben, um ein Gefühl für die Entwicklung meiner Finanzsituation zu bekommen. Die Rücklagen stiegen Monat für Monat an und ich bekam das Gefühl, irgendetwas damit machen zu müssen.

Meine Motivation bestand seiner Zeit darin, dass ich das verdiente Geld nicht durch die Inflation verlieren wollte. Die Kaufkraft meines Kapitals sollte zumindest erhalten bleiben.

Aber welches Investment war das richtige für mich? ETFs waren damals DAS Thema für den rational und langfristig denkenden Privatanleger. Eine Ansicht, mit der ich mich identifizieren konnte. Doch ich bekam keinen richtigen Zugang zu dieser Form der Geldanlage. Zu viele Fragezeichen standen mir im Raum. Ein Gespräch mit meiner damaligen Hausbank (die mit dem blauen Querbalken) hatte mich zusätzlich verunsichert. Also ließ ich die Finger davon und suchte weiter.

Danach rückte das Betongold in meinen Fokus. Immobilien waren zwar gefühlt die Königsklasse des Vermögensaufbaus – aufgrund der Hebelung mit Fremdkapital – doch für mich schien diese Form der Geldanlage deutlich greifbarer. In Berlin – wo ich herkomme und Anfang 2016 wieder zurückzog – war der Markt bereits so ziemlich auf dem gefühlten Höhepunkt angekommen und die Preise lagen zwischen Gut und Böse. Dennoch arbeitete ich mich, so gut es ging, in dieses Thema hinein. Durch einen glücklichen Umstand innerhalb meiner Familie, bekam ich die Möglichkeit ein Einfamilienhaus zu kaufen. Seit 2017 bin ich daher stolzer Immobilieneigentümer und vermiete die Immobilie an ein befreundetes Unternehmen.       

Im September 2017 entdeckte ich dann die Geldanlage der P2P-Kredite für mich und begann unmittelbar zu investieren. Das Konzept der alternativen Kreditvergabe zwischen Privatpersonen war nicht nur einfach zu verstehen und versprach hohe Renditen, die gesamte Idee dahinter birgt enormes Potenzial und liegt sehr stark am Puls der Zeit. Effizienz, Transparenz, Mehrwert.

Investition des Geldes

Es dauerte nicht lange und ich investierte immer mehr Kapital bei P2P-Anbietern aus allen drei baltischen Ländern – die ich zwischen Oktober 2018 und März 2019 auch selbst besucht habe.

Im Sommer 2018 habe ich mich dann auch an Aktien herangetraut. Mein erster Fokus lag dabei auf wachstumsstarken Titeln (Growth). Mittlerweile schaue ich eher nach verlässlichen Dividendenwerten (Kontinuität) mit einem niedrigen Verschuldungsgrad und einer nicht zu hohen Ausschüttungsquote. Am Anfang war jeder Tag noch aufregend für mich und ich beobachtete gespannt die neuesten Börsenentwicklungen. Aktuell schaue ich nur noch zwei bis drei Mal die Woche ins Depot. Der zeitliche Hebel war an anderer Stelle deutlich besser aufgehoben.    

Auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Mit dem Ereignis im April 2018, fand ein Umdenken bei mir statt. In zweierlei Hinsicht.

Geld ist für mich nach wie vor nur ein Mittel zum Zweck. Doch heute sehe ich darin – noch mehr als früher – eine Möglichkeit, um mir Freiheit und Unabhängigkeit zu erkaufen. Entsprechend ist auch die Motivation für meine Investments eine andere geworden. Anstatt des Inflationsausgleichs, liegt mein Fokus heute auf einer nachhaltigen Cashflow-Orientierung, sodass ich perspektivisch die finanzielle Unabhängigkeit erreiche.

Für mich steht dabei aber nicht das Wann im Vordergrund – wobei das Motto „je früher, desto besser“ auch hier anwendbar ist – sondern das Wie.

Die ersten Berufsjahre haben mir gezeigt, dass ich, aufgrund meiner Fähigkeiten im Vertrieb, immer die Möglichkeit haben werde, einen Platz in der Corporate Welt zu finden und dort gutes Geld zu verdienen. Eine Rückkehr in das Leben als Festangestellter ist für mich nicht kategorisch ausgeschlossen.

Doch weil ich diese Überzeugung und das Selbstverständnis besitze, möchte ich mich in meiner aktuellen Lebensphase lieber als selbständiger Online-Unternehmer versuchen und meine Lebenszeit den Projekten widmen, die mir selbst die größte Befriedigung schaffen – selbst wenn das bedeutet, dass der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit ein längerer sein wird.

Über den Autor

Denny Neidhart

Denny Neidhardt ist 29 Jahre jung und kommt aus Berlin. Aktuell investiert er die meiste Zeit für sein Projekt re:think P2P-Kredite. Auf seinem Blog und YouTube-Kanal versucht er Privatanlegern dabei zu helfen, die richtigen Anlageentscheidungen im Bereich Crowdlending zu treffen.

Dafür analysiert er die Geschäftsmodelle der einzelnen P2P-Anbieter und versucht sich kritisch mit den Mechanismen und Funktionsweisen dieser Assetklasse auseinanderzusetzen. Im Mai 2019 veröffentlichte er dazu auch sein erstes Buch: Geldanlage P2P-Kredite: Grundlagen – Risiken – Investitionsstrategien.

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Hier findest Du mich:

Über den Autor

Dominik Fecht

Ich bin Dominik und bilde Menschen im Thema Finanzen aus. Entweder durch diesen Blog, meinen YouTube-Kanal, meine beiden Bücher oder in meiner Live-Online-Ausbildung.

Ich helfe Menschen das Thema Finanzen durch einfache Erklärungen zu verstehen und ihr Geld in die eigenen Hände zu nehmen. Finanzbildung für ein selbstbestimmtes und glückliches Leben.

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  1. Die ganze Zeit habe ich überlegt woher ich die Person hinter der Geschichte kenne aber klar vom Sales Pitch 🙂
    Freut mich das du im P2P Vertrieb dein Weg gefunden hast! Ich bin immer wieder fasziniert was alles funktioniert (wobei es natürlich spannend wäre, wenn mal was nicht funktioniert – liest man selten interessieren sich vermutlich (außer so Kerle wie mich) eher auch weniger Leute dafür dabei kann man aus Fehler am besten lernen …)

      1. Moin Thomas!

        likewise – bist auch eher der Selfmade-Typ. Finde ich ebenfalls stark, dass Du da in jungen Jahren schon so hinterher bist. Vielleicht liest man hier ja mal etwas über Deinen Weg und Deine Motivation auf dieser Reise 🙂

        Grüße zurück,
        Denny

    1. Ich finde es auch immer spannend von anderen Menschen zu hören, warum sie auf ihren Weg gekommen sind und was sie dorthin gebracht hat. Dabei sind es aus meienr Erfahrung auch häufiger die Fehler und Rückschläge, die Dich auf Deinen eigenen Weg bringen.

      Schöne Grüße
      Dominik

      1. Hi Dominik,

        sehe ich genau so wie Du! Leider sind solche Themen (Stichwort Kündigung) gesellschaftlich immer etwas stigmatisiert, sodass auch eher wenige Personen darüber öffentlich sprechen oder schreiben. Man will sich ja zukünftig alle Türen offen halten. Zugegeben, auch mich hat der Artikel ein wenig Überwindung gekostet. Aber wenn man mit sich im reinen ist und dazu stehen kann, ist es auch nicht mehr so schlimm.

        Danke Dir nochmal für die Chance den Artikel über Deinen Blog zu veröffentlichen! Hier passt er deutlich besser rein als woanders 🙂

        Viele Grüße,
        Denny

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